Mentoring-Programm 2019|2020

Mentoring-Programm 2019|2020

Deutscher Städte- und Gemeindebund | Mehr Frauen in die Kommunalpolitik

Die Kommunalpolitik in Deutschland braucht mehr Frauen in kommunalen Führungspositionen. Derzeit wird nur jedes zehnte Rathaus von einer Frau geführt, auch in den kommunalen Vertretungen sind derzeit nur rund 27 Prozent aller Mandate mit Frauen besetzt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat sich zum Ziel gesetzt, diese Situation zu verbessern und den Frauenanteil in der Kommunalpolitik zu erhöhen. Auf dem 1. Deutschen Frauenkongress kommunal in Mainz kamen daher rund 150 Kommunalpolitikerinnen zusammen, um über Ideen und Konzepte für eine weiblichere Kommunalpolitik zu diskutieren. Den Hauptvortrag im Rahmen der Veranstaltung hielt Bundesministerin Dr. Franziska Giffey.

Auf dem Frauenkongress wurde zudem die "Mainzer Resolution" für mehr Frauen in Führungsverantwortung in Kommunen vorgestellt. Darin fordert der Deutsche Städte- und Gemeindebund unter anderem ein Leitbild Frauenförderung in der Kommunalpolitik. So sollen etwa die Sitzungen in den Kommunalparlamenten familienfreundlicher ausgestaltet werden, sowohl was Tagungszeiten als auch Teilnahmeverpflichtungen betrifft. Auch die Themen Nachwuchsgewinnung und die Etablierung eines positiven Leitbildes der Kommunalpolitik werden aufgegriffen. Schließlich sollten auch Mentoringprogramme auf Bundes- und Landesebene weiter ausgeweitet werden. Die Mainzer Resolution ruft die Kommunalpolitikerinnen dazu auf, weibliche Netzwerke zu bilden und einander zu unterstützen.

Informationen und Rückblicke auf den Kongress finden Sie auf der Website des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Engagiert vor Ort - Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen

Mit der Studie „Engagiert vor Ort – Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen“, die im Auftrag des Bundesfrauenministeriums erstellt wurde, soll die Debatte über Frauen in der Kommunalpolitik neu belebt werden. Ihr erklärtes Ziel ist es, Handlungsempfehlungen an die einschlägigen Akteurinnen und Akteure – Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen, kommunale Verwaltungen – zu richten, wie der Frauenanteil in der Kommunalpolitik nachhaltig erhöht werden kann. Die bundesweite Befragung wurde von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, Berlin (EAF) durchgeführt. Die Studie aus dem Jahr 2014 steht auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Download zur Verfügung.

Genderranking deutscher Großstädte

Das vierte Genderranking deutscher Großstädte innerhalb von knapp zehn Jahren zeigt ein zwiespältiges Bild: Der Frauenanteil an den Oberbürgermeister/innen ist stark eingebrochen - von noch 17,7 Prozent 2008 auf nunmehr 8,2 Prozent 2017. Der Frauenanteil unter den Dezernatsleitungen ist dagegen als einzige politische Spitzenposition stark und kontinuierlich gestiegen: von 18,5 Prozent 2008 auf 29,1 Prozent 2017.

Das wissenschaftliche Team der FernUniversität führt dies darauf zurück, dass auf diesem Feld die beruflichen Qualifikationen von Frauen eine größere Rolle spielen als bei der Besetzung rein politischer Ämter. Insgesamt gilt: Frauen sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil in den kommunalpolitischen Führungsämtern deutscher Großstädte auch 2017 unterrepräsentiert. Je wichtiger und mächtiger der Posten dabei ist, desto unwahrscheinlicher wird er von einer Frau besetzt.

Ein noch stärker polarisiertes Bild ergibt sich, wenn man die Frauenanteile in den Stadträten nach Parteien aufschlüsselt. Spitzenreiter sind Bündnis 90/Die Grünen mit der Erfüllung ihrer 50-Prozent-Quote, gefolgt von der Linken mit 44,4 Prozent Frauenanteil (Quote 50 Prozent) und der SPD mit 37,3 Prozent (Quote 40 Prozent). Die einer Quote verpflichteten Parteien besetzen auch Fraktions- und Ausschussvorsitze deutlich stärker mit Frauen.

Auf der anderen Seite unterbietet die neu hinzugekommene AfD, die nur in einigen Bundesländern in den Kommunalparlamenten vertreten ist, mit einem Frauenanteil von 11,6 Prozent noch die FDP, die 2008 mit 24,9 Prozent das Schlusslicht gebildet hat und seither ihren Anteil nur geringfügig steigern konnte (auf 26,4 Prozent in 2017). Die CDU erreicht ihr eigenes Quorum von 33 Prozent (als Empfehlung) nur in 28 von 73 Großstädten.

Zur Studie "Genderranking deutscher Großstädte 2017" auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung.