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Mit Kind in die Politik. Gute Praktiken für die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und kommunalpolitischem Ehrenamt

Die EAF Berlin hat eine Studie veröffentlicht, in der die Vereinbarkeit von politischem Engagement und Familie in den Blick genommen wurde. Die Studie kann für kommunale Gleichstellungsbeauftragte oder kommunale Vertretungen eine gute Informationsgrundlage sein, um in den eigenen Gremien Maßnahmen zu initiieren, die das kommunalpolitische Wirken von Müttern und Vätern oder überhaupt von Politiker:innen mit Familienaufgaben verbessern können. Kinderbetreuung, flexiblere Sitzungszeiten, Digitalisierung, wie diese Angebote helfen können, die Vereinbarkeit zu erhöhen, dazu gibt die Veröffentlichung ebenfalls Auskunft. Die Studie von Cécile Weidhofer, Dorothea Walchshäusl und Sarah Friedrich steht auf der Website der EAF zum Download zur Verfügung.

Ratgeber | "Weil es auf uns ankommt“

Die Grenzen des Sagbaren haben sich verschoben. Immer häufiger erleben Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer Religion Herabwürdigungen. Wie kann man diesen Entwicklungen begegnen? Wie geht man mit Parolen um? Wie schafft man es, die eigenen Ansichten zu vertreten, gleichzeitig aber offen zu bleiben? Mit solchen und weiteren Fragen beschäftigt sich der Argumentationsratgeber „Weil es auf uns ankommt – Über den demokratischen Umgang mit Populismus“ vom Deutschen LandFrauenverband e.V. In diesem geht es um „die kleine Populistin in uns selbst“ und wie man Radikalisierung und Ausgrenzung durchbrechen kann. Dabei werden auchTechniken zur Gesprächsführung erläutert, die dafür sorgen, dass der Kampfmodus abgeschaltet wird und man in einen vernünftigen Dialog mit seinem Gegenüber hineinfindet.

Der Ratgeber greift Situationen aus dem Alltag auf und zeigt, wie frau reagieren kann, wenn der oder die Gesprächspartner:in beispielsweise ablehnend auf das Thema „Gendern“ reagiert. Aber es geht auch um die „rote Linie“, also Statements, denen klar und deutlich widersprochen werden muss, denn „Demokratin zu sein heißt, Diskussionen auszuhalten, andere Meinungen zu respektieren, aber ebenso in Gesprächen klare Grenzen zu setzen und den eigenen Standpunkt deutlich zu machen“, so die Präsidentin des LandFrauenverbandes im Vorwort.

„Weil es auf uns ankommt“, Hrsg. Deutscher LandFrauenverband e.V.; www.landfrauen.info.

„Der nächste Redner ist eine Dame“

Frauen in den Parlamenten sind nach wie vor unterrepräsentiert. Der Anteil von Frauen im deutschen Bundestag beträgt 35%. Der neu gewählte 21. Bundestag weist sogar einen noch geringeren Frauenanteil auf. Als im September 1949 der erste Deutsche Bundestag zusammentrat waren unter des 410 Abgeordneten 28 Frauen (6,8%).

Nur wenig ist zum Teil über diese Frauen der ersten Stunde bekannt. Die Veröffentlichung würdigt nun diese 28 Frauen in 5 ausführlicheren Portraits und Kurzportraits aller weiblichen Abgeordneten. Fünf Autorinnen widmen sich sehr unterschiedlich den oft sehr beeindruckenden Lebensgeschichten von Dr. Friederike Mulert (FDP), Jeanette Wolff (SPD), Dr. Luise Rehling (CDU), Dr. Maria Probst (CDU) und Greta Thiele (KPD). Gekennzeichnet sind die Biographien durch Kriegserfahrungen, Verluste und Entbehrungen und trotz allem großem Mut und Willen zur Veränderung und Mitgestaltung der neuen Bundesrepublik. Viele der portraitierten Frauen riefen dazu auf, dass Frauen sich nicht auf sogenannte „Frauenthemen“ wie Gleichberechtigung oder Soziales reduzieren lassen sollten, sondern sich auch um wirtschaft-liche Fragen, Fragen der Rüstung und des Umgangs mit Geflüchteten kümmern sollten. Parteiübergreifend setzten sich die Frauen der ersten Stunden für das Thema Mutterschutz ein.

Nicht alle Frauen haben so viel Eindruck gemacht wie Margot Kalinke, die als begabte Rednerin und auch schlagkräftige Zwischenruferin bekannt war. Die Familie siedelte nach Vertreibung 1925 nach Niedersachsen um. Zunächst zieht Margot Kalinke in den niedersächsischen Landtag ein. Im Bundestag war sie 20 Jahre vertreten. Sie setzte sich für Gleichberech-tigung, auch gegen ihre Partei (CDU) ein. Privat ist sie unangepasst, da sie ledig bleibt und Autorennen fährt. Auch die SPD Abgeordnete Elise Korspeter, die für den Wahlkreis Celle, aufgrund der vielen Erststimmen, in den Bundestag einzog, engagierte sich für Frauenfragen. Auch sie gehörte dem Bundestag 20 Jahre lang an. Sie kümmert sich vor allem um Sozial-politik und Fragen der öffentlichen Fürsorge. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag gehörte sich noch lange dem Celler Stadtrat an.

Deutscher Bundestag (Hrsg.): „Der nächste Redner ist ein Dame“ Die ersten Frauen im Bundestag, Ch.Links Verlag, 2. Auflage Berlin 2024

Fachbuch | „Politik und Geschlecht“

Was bedeutet politikwissenschaftliche Geschlechterforschung beziehungs-weise feministische Politikwissenschaft? Das Buch „Politik und Geschlecht – Perspektiven der politikwissenschaftlichen Geschlechterforschung“ bietet einen einführenden Einblick in unterschiedliche politikwissenschaftliche (Forschungs-)Perspektiven auf das Verhältnis von Politik und Geschlecht – insbesondere auch unter Miteinbeziehung queerer und postkolonialer Ansätze.

Unter den drei großen Blöcken „(De)Gendering Politikwissenschaft“, „Konzeptionelle Perspektiven“ und „Themen und Politikfelder“ finden sich zahlreiche Beiträge verschiedener Autor:innen. Sie fassen den aktuellen Forschungsstand zusammen, bieten eine Kontextualisierung in breitere politikwissenschaftliche Debatten und geben durch Lese-Empfehlungen Ansätze für die tiefere Auseinandersetzung. Themen wie „Politische Männlichkeiten“, „Materialistischer Feminismus“ sowie „Das Konzept der Femizide“ werden aufgearbeitet.

„Politik und Geschlecht“: Hrsg. Christine M. Klapeer, Johanna Leinius, Franziska Martinsen, Heike Mauer, Inga Nüthen. Erschienen in der Reihe der Sektion Politik und Geschlecht der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft, Verlag Barbara Budrich; Opladen, Berlin, Toronto, 2024. https://budrich.publisso.de/

Politik an Tisch und Theke

Welche Bedeutung hat gemeinsames Essen für die politische Kommunikation? Welchen Einfluss auf Entscheidungen und Prozesse haben Zusammenkünfte von Mandatsträgern (in diesem Fall tatsächlich überwiegend männlich) an Tisch und Theke? Und welche Rolle spielt der Alkohol dabei? Fragen wie diesen geht die Politikwissenschaftlerin Nicola Trenz in ihrer Masterarbeit am Beispiel der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn nach, deren Gaststätten und Kneipen in den ersten 50 Jahren nach dem Krieg als „Hinterzimmer der Macht“ bezeichnet wurden. Dort traf man sich, mal sorgfältig abgeschirmt von der Bevölkerung, mal in aller Öffentlichkeit, zum Essen und Trinken in trauter Runde, traf Absprachen mit dem politischen Gegner oder feierte eigene Siege.

In vielen Interviews kommen Beteiligte der Bonner Republik selbst zu Wort. Dazu zählen sowohl Abgeordnete als auch Mitarbeiter:innen, Journalist:innen, Lobbyisten oder gastronomisches Personal, die von interessanten Begebenheiten und Details berichten. Trenz untersucht zudem die Gaststättenlandschaft des politischen Bonns, in dem sie drei Einrichtungen und ihre Bedeutung näher analysiert: Das Weinhaus Maternus, das auch die „Heimliche Schaltzentrale der Republik“ genannt wurde, die Parlamentarische Gesellschaft, die eine große Rolle für das politische Leben einnahm, und die „Provinz“, die die unkonventionellen Politiker anzog, wie die jungen Abgeordneten der SPD oder den Grünen.

Nicola Trenz: „Politik an Tisch und Theke – Wie in Bonner Kneipen große Politik gemacht wurde“, BonnBuchVerlag, 300 Seiten, 24,80 Euro.